Kurt Weill

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Europa und Amerika – avantgardistische Instrumentalwerke sowie Musik zu Bertolt Brechts Theaterstücken und amerikanische Broadway-Musicals: Zwischen diesen Polen bewegte sich der 1900 in Dessau geborene Komponist Kurt Weill Zeit seines Lebens. Auch über seinen Tod 1950 hinaus wird sein Werk häufig unterteilt in einen „europäischen“ und einen „amerikanischen“ Kurt Weill.
Die Zusammenarbeit mit Brecht scheint das Schaffen in Deutschland zu dominieren. Die „Dreigroschenoper“ ist bis heute das bekannteste Werk Weills. In Amerika wurde sie in amerikanischer Übersetzung sein größter Broadway-Erfolg. Die Verbindung mit Brecht zerbrach an dessen restriktiven Vorstellungen einer Bühnenmusik. 1934 emigrierte Weill zunächst nach Paris, zwei Jahre später nach New York. Dort etablierte sich der Komponist mit seinem Musical „Johnny Johnson“. Am Broadway fand Weill das Publikum, die Plattform und die finanziellen Strukturen, die er in Deutschland vermisst hatte. 1943 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
Die Kompositionen Weills lassen die persönliche und stilistische Entwicklung erkennen. Während das „Streichquartett b-moll“ noch von musikalischen Vorstellungen Regers und Mendelssohns geprägt war, traten schnell postromantische Ideen in den Vordergrund. Die Atonalität löste die freie Tonalität ab. Strukturgebend wurden ironische Wendungen und populärmusikalische Formen. Die Vielzahl an Einflüssen fand ihren Höhepunkt in den amerikanischen Bühnenwerken. Populärmusikalische und jazzige Elemente machten viele Einzelnummern der Musicals zu eigenständigen Stücken und Jazzstandards.
Zu Lebzeiten sah sich Weill aufgrund seines Wandels von Avantgarde zu Stilpluralismus der Kritik Schönbergs und Adornos ausgesetzt. In den USA erreichten die europäischen Werke Weills zunächst keine große Bedeutung. Doch erweist sich der Kontrast zwischen den Kompositionen als überbrückbar. Alle Bühnenwerke Weills sind geprägt von dem Versuch, einen Mittelweg zu finden zwischen Komödie und Oper, zwischen amerikanischer Szenenmusik in Einzelnummern und durchkomponierten Opernpartituren europäischer Prägung. Das Ergebnis war eine neue Form des einfachen und populären Musiktheaters. Mit dieser positionierte sich Weill zwischen europäischer, avantgardistischer Musikvorstellung und amerikanischem, eher kommerziell geprägtem Musikgeschmack.

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